Kinderrechte umsetzen – alle können mitmachen

Das geht alle an: Kinder haben Rechte.

Und diese stehen zwar auf dem Papier der UN-Kinderrechtskonvention, sind aber bei Groß und Klein noch viel zu unbekannt.

Das wollen wir ändern und demonstrierten dafür in Stuttgart und Karlsruhe am 20. November 2019.

20. November: Internationaler Tag der Kinderrechte

Den Zeitpunkt für den Protestmarsch haben wir nicht zufällig gewählt: Der 20. November ist der Internationale Tag der Kinderrechte. Noch immer haben wir deutlichen Nachholbedarf, was die Umsetzung der UN-Kinderrechte angeht. Dabei haben die Vereinten Nationen (UN) bereits vor 30 Jahren die Rechte der Kinder in einer eigenen Konvention festgelegt.

Demonstration für Kinderrechte in Stuttgart

Gemeinsam mit dem Kinderschutzbund Stuttgart und MACH DICH STARK – Die Initiative für Kinder im Südwesten riefen wir zum Protestmarsch auf und stellten zum Abschluss auf dem Kronprinzplatz zusammen mit dem Jugendamt, der World Childhood Foundation und dem Mobifant die Rechte der Kinder vor.

Die Stuttgarter Kinderbeauftragte Maria Haller-Kindler bedankte sich für die Mitwirkung von Kindern und Erzieherinnen und Erziehern aus Stuttgarter Kitas. „30 Jahre Kinderrechte: Das ist ein Grund zu feiern und auf die Straße zu gehen“, sagte sie. „Doch nicht alle halten sich an die Kinderrechte. Das muss sich ändern. Kinderrechte gehören ins Grundgesetz. Dafür müssen wir hier so viel Lärm machen, dass wir bis nach Berlin zu hören sind.“

Der Deutsche Kinderschutzbund stellte das Recht der Kinder auf Fürsorge in den Fokus. „In vielen Lebenssituationen, zum Beispiel bei Trennung oder Scheidung, sind Eltern überfordert und können sich nicht angemessen um ihre Kinder kümmern. Wir machen uns für bessere Hilfesysteme stark, die Mütter und Väter so unterstützen, dass Kinder gut aufwachsen können“, erklärte Annika Matthias vom Ortsverband Stuttgart des Deutschen Kinderschutzbundes.

Nebenan am Stand der element-i Bildungsstiftung drückten Kinder ihre Daumen auf farbige Stempelkissen und gestalteten damit ein weißes Stofflaken. Wer des Schreibens mächtig war, konnte das Kinderrecht, das ihm besonders wichtig ist, an einer Wand notieren. „Uns liegt das Recht auf eine gute Bildung besonders am Herzen“, sagte Waltraud Weegmann. „Wir fordern, dass Kinder in unserem Bildungssystem besser als bisher allen Kindern gleichermaßen gute Chancen eröffnet und Kitas und Schulen Orte sind, an denen sie ihre Potenziale voll entfalten können.“

Alexander Ruf Childhood sagte: „Unser Thema ist der Schutz von Kindern vor sexualisierter Gewalt und die Hilfe für betroffene Jungen und Mädchen. Wir rufen interdisziplinäre Versorgungseinrichtungen, Childhood Häuser, für sie ins Leben, in denen Fachleute aus Justiz, Polizei und Medizin zusammenarbeiten. Dadurch bewahren wir sie zum Beispiel davor, mit immer wieder neuen Menschen in unterschiedlichen Umgebungen über die Gewalt, die ihnen angetan wurde, sprechen zu müssen.“

Das Netzwerk „MACH DICH STARK. Die Initiative für Kinder im Südwesten“ bündelt die Kraft von derzeit 23 Partnerinnen und Partnern, Verbänden, Stiftung und Organisationen, um gemeinsam die strukturellen Ursachen von Kinderarmut zu bekämpfen. „In Baden-Württemberg ist derzeit jedes fünfte Kinder von Armut betroffen oder armutsgefährdet. Das beeinträchtigt ihre Chancen. Talente verkümmern, Selbstvertrauen schwindet. Armut setzt sich fort. Diesen Kreislauf müssen wir durchbrechen“, sagte Julia Zeilinger von der Caritas, die das Netzwerk ins Leben rief. „Dafür machen wir uns als Lobby für Kinder gemeinsam stark!“

Am Stand des Jugendamts der Stadt Stuttgart präsentierte Ulrike Tamme die Kinderrechtezeitung. „Viele Jungen und Mädchen haben ein Bild gemalt zu dem Kinderrecht, das für sie am wichtigsten ist. Das Recht auf Spielen, Freizeit und Ruhe bearbeiteten die Kinder am häufigsten, dicht gefolgt von dem Recht auf Bildung und dem auf Familie und elterliche Fürsorge“, erläuterte Ulrike Tamme.

Den größten Platz beanspruchte das Spielmobil Mobifant für sich. Das Team hatte allerhand Spielgeräte ausgepackt: Hütchen, Seile und Ringe, Kullerkreisel, Fahrgeräte, Balancierspiele und große hölzerne Brettspiele. „Wir stehen hier für das Recht der Kinder auf Spiel und Freizeit“, sagte Saskia Gompf von Mobifant, einer Dienstleistung der Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft. „Wir fahren sonst Spielplätze und Schulhöfe an und sind auch auf Stadtteilfesten präsent.“ Die Pädagogin kritisierte, dass die Freiräume für Kinder in unserer Gesellschaft immer kleiner würden. „‘Freilaufende Kinder‘ gibt es quasi kaum noch“, weiß sie. Zunehmende Ganztagsschulen und durchorganisierte kindliche Tagesabläufe mache sie dafür verantwortlich. Das Recht der Kinder auf Freizeit, die sie spontan und selbstbestimmt nach den eigenen Bedürfnissen gestalten könnten, komme dabei oft zu kurz.

Demonstration für Kinderrechte in Karlsruhe

In Karlsruhe riefen wir als Teil des Aktionsbündnisses Kinderrechte Karlsruhe zur Demonstration auf. 500 kleine und große Menschen haben sich uns angeschlossen, weil sie auch der Meinung sind, dass es noch viel zu tun gibt. Zum Beispiel, dass Deutschland die Kinderrechte endlich auch im Grundgesetz verankert. Oder "Ich hab eine Meinung - hört mir zu!", wie es auf einem der Schilder steht, das Recht der Kinder auf Meinungs- und Entscheidungsfreiheit bewusst und umgesetzt wird. Viele Horte, Kitas und Ganztagesschulen beteiligten sich an der Demonstration und machten mit Trommeln, Trillerpfeifen und Ratschen auf sich aufmerksam. Am Platz der Grundrechte angekommen, trugen Kinder vor, was sie ändern würden, wenn sie Bürgermeister wären.

Aktionsbündnis Kinderrechte Karlsruhe

                    

 

Aktuelles und Neuigkeiten vom Aktionsbündnis Kinderrechte Karlsruhe gibt es auch auf der Facebook-Seite: www.facebook.com/AktionsbuendnisKinderrechteKarlsruhe

In der Presse


Rückblick

29. September 2019: Weltkindertagsfest Karlsruhe

Wann? Sonntag, 29.09.2019 | 13 - 17 Uhr

Wo? Otto-Dullenkopf-Park am Schloss Gottesaue

Was? An dem Stand, den wir gemeinsam mit dem Kinderschutzbund Karlsruhe hatten, konntet ihr euren Daumenabdruck da lassen. Das Banner wird an der Kinderrechte-Demonstration am 20. November 2019 präsentiert.

20. September 2019: Weltkindertagsfest Stuttgart

Wann? Freitag, 20.09.2019 | 14 - 18 Uhr

Wo? Gerberplätzle, Stuttgart

Was? Daumen hoch für Kinderrechte! Wir sammelten Daumenabdrücke für unser Kinderrechte-Banner.

25. Mai 2019: VerfassungsFEST Karlsruhe

Gemeinsam mit dem Kinderschutzbund Karlsruhe waren wir am 25. Mai 2019 auf der VerfassungsFEST in Karlsruhe. Viele Besucher*innen haben tolle Fotos mit Kinderrechten gemacht, die sie wichtig finden.

Hier gelangen Sie zur Fotogalerie.

Außerdem haben sich viele kleine und große Besucher*innen nach dem Motto "Daumen hoch für Kinderrechte" auf einem großen Demo-Plakat verewigt.

20. November 2018: Kinderrechte-Demonstration in Karlsruhe und Stuttgart


Unser Anliegen als element-i Bildungsstiftung

Das Thema Kinderrechte hat viele unterschiedliche Facetten. Wir, die element-i Bildungsstiftung, setzen uns für mehr Bildungsgerechtigkeit ein und möchten bei der Demo das Recht der Kinder auf Bildung und Beteiligung, auf Freizeit, Spiel und Erholung sowie auf Privatsphäre besonders hervorheben. Mädchen und Jungen verbringen heute immer mehr Zeit in Krippen, Kitas und Schulen. Die Erwachsenen, die diese Einrichtungen leiten, und die, die dort arbeiten, sind dafür verantwortlich, dass Kinder auch in den Institutionen ihre Rechte wahrnehmen können. Tun die Verantwortlichen dies immer?

  • Nehmen die Pädagoginnen und Pädagogen Kinder als eigenständige Persönlichkeiten wahr und ihre Äußerungen ernst?
  • Stellen sie sicher, dass alle Kinder in ihrer Einrichtung gleichermaßen einen guten, für sie passenden Zugang zu Bildung erhalten?
  • Haben sie Strukturen und Abläufe etabliert, die es den Kindern erlauben, sich altersgemäß an Diskussionen zu beteiligen und sie betreffende Entscheidungen mitzubestimmen?
  • Achten sie darauf, dass Kinder ausreichend Zeit und Raum für freie Entfaltung und fantasievolles Spiel erhalten?
  • Schaffen sie Rückzugsorte, die Kindern Privatheit, Alleinsein und Erholung ermöglichen?

In der Praxis stellen wir fest: Erwachsene spannen Kinder noch viel zu häufig vor ihren „Karren“ in der Meinung, dass sie schon wüssten, was das Richtige für das Kind sei. Oft zwingen sie sie in ein Korsett von Anforderungen und Aufgaben, das ihnen kaum Luft für eigenständige Entwicklung, für neue Gedanken, für Spiel und Freizeit und den Genuss des Augenblicks lässt.

Jedes Kind ist ein Geschenk an die Welt. Es bringt seine eigene Persönlichkeit, seine eigene Würde und seine eigenen Begabungen mit.

Unsere Aufgabe als Erwachsenen: den Rahmen schaffen, in dem Kinder ihre Potenziale entfalten und in die Gemeinschaft einbringen können!

Wenn wir die von der UN-Kinderrechtskonvention formulierten Standards in der Praxis umzusetzen, gelingt uns das. Lassen Sie uns gemeinsam dafür einstehen!

Die zehn wichtigsten Kinderrechte

Dies sind die wichtigsten, von der UN-Kinderrechtkonvention festgelegten Kinderrechte:

  1. Das Recht auf Gleichbehandlung und Schutz vor Diskriminierung unabhängig von Religion, Herkunft und Geschlecht.
  2. Das Recht auf einen eigenen Namen und eine Staatszugehörigkeit.
  3. Das Recht auf Gesundheit.
  4. Das Recht auf Bildung und Ausbildung.
  5. Das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung.
  6. Das Recht auf eine eigene Meinung und darauf sich zu informieren, mitzuteilen, gehört zu werden und zu versammeln.
  7. Das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung sowie auf Privatsphäre.
  8. Das Recht auf sofortige Hilfe in Katastrophen und Notlagen wie Armut, Hunger und Krieg und auf Schutz vor Vernachlässigung, Ausnutzung und Verfolgung.
  9. Das Recht auf eine Familie, elterliche Fürsorge und ein sicheres Zuhause.
  10. Das Recht auf Betreuung bei Behinderung.

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Denise Meyer
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