Kinderrechte umsetzen – alle können mitmachen

Das geht alle an: Kinder haben Rechte. Und sie sollten nicht nur auf dem Papier der UN-Kinderrechtskonvention stehen. Dafür demonstrierten in Stuttgart und Karlsruhe am Internationalen Tag der Kinderrechte gemeinsam mit uns insgesamt über 400 Menschen.

Jeweils rund 200 Demonstrantinnen und Demonstranten jeden Alters machten sich in Stuttgart und Karlsruhe am Dienstag, 20. November, für Kinderrechte stark. „30 fahren in der Tempo-30-Zone!“, „Spielen ist ein Kinderrecht“, „Recht auf Meinungsfreiheit“, „Ich darf laut sein!“: Diese und viele weitere Forderungen standen auf den Plakaten der Kinder. In ihren Kitas und Schulen hatten sie sich im Vorfeld mit Kinderrechten beschäftigt und ihre wichtigsten Anliegen zu Papier gebracht. In Stuttgart stellten einige der Kinder ihre Forderungen den Demo-Teilnehmerinnen und 
-Teilnehmern selbst vor. In Karlsruhe nahm Bürgermeister Martin Lenz den Demonstrationszug in Empfang und las die Forderungen auf den Transparenten nacheinander vor.

20. November: Internationaler Tag der Kinderrechte

Den Zeitpunkt für den Protestmarsch haben wir nicht zufällig gewählt: Der 20. November ist der Internationale Tag der Kinderrechte. „Noch immer haben wir deutlichen Nachholbedarf, was die Umsetzung der UN-Kinderrechte angeht“, erklärt Meike Betz-Seelhammer von der element-i Bildungsstiftung. „Dabei haben die Vereinten Nationen (UN) bereits vor fast 30 Jahren die Rechte der Kinder in einer eigenen Konvention festgelegt.“

Kinderrechte bekannt machen

Trotzdem kennen viele Menschen, die mit Kindern leben, sie betreuen und begleiten, die Rechte der Kinder zu wenig. Zwei Vertreterinnen der Stiftung, Franziska Pranghofer (in Stuttgart) und Jacob Hesselschwerdt (in Karlsruhe), riefen daher bei den Abschlusskundgebungen die zehn wichtigsten Kinderrechte in Erinnerung. Neben weitgehenden Schutzrechten stehe Kindern das Recht auf Privatleben, das Recht auf Bildung, das Recht auf freie Meinungsäußerung und das Recht auf Spiel, Spaß und Erholung zu. „Helft mit, diese Kinderrechte bekannt zu machen!“, forderten die RednerInnen die Anwesenden auf.

„Wer Kinderrechte umsetzt, erschafft eine bessere Welt!“

„Wir müssen Kinderrechte ernster nehmen“, unterstrichen Carola Kammerlander, Begründerin der element-i Pädagogik, (in Stuttgart) und Clemens Matthias Weegmann, Geschäftsführer der element-i Schulen, (in Karlsruhe). Sie riefen Eltern sowie Pädagoginnen und Pädagogen auf, Kindern mit echtem Interesse zuzuhören. Sie sollten den Mädchen und Jungen die Möglichkeit geben, wirklich mit zu entscheiden und Gemeinschaft zu gestalten. „Kinder brauchen Spielräume und Rückzugsmöglichkeiten, um sich zu entfalten und gut zu entwickeln!“, sagten sie dann. So könnten sie zu starken, ausdauernden, kreativen und liebevollen Persönlichkeiten heranwachsen. „Das heißt: Wer Kinderrechte umsetzt, erschafft eine bessere Welt“.

Abschlusslied: „Wir sind Kinder einer Erde“

Das war auch den teilnehmenden Kindern wichtig: Auffällig oft thematisierten sie den Wunsch nach Frieden und dem Ende von Kriegen. Ihr Blick ging über persönliche Anliegen hinaus in die Welt. Dazu passte das gemeinsame Abschlusslied „Wir sind Kinder einer Erde“, das die Mädchen und Jungen begeistert sangen. Es endet: „Viele Kinder fremder Länder sind in unserer Stadt zuhaus'. Wir sind Kinder einer Erde, doch was machen wir daraus? Ihre Welt ist auch die uns're, sie ist hier und nebenan. Und wir werden sie verändern: Kommt, wir fangen bei uns an!“


Die zehn wichtigsten Kinderrechte

Dies sind die wichtigsten, von der UN-Kinderrechtkonvention festgelegten Kinderrechte:

  1. Das Recht auf Gleichbehandlung und Schutz vor Diskriminierung unabhängig von Religion, Herkunft und Geschlecht.
  2. Das Recht auf einen eigenen Namen und eine Staatszugehörigkeit.
  3. Das Recht auf Gesundheit.
  4. Das Recht auf Bildung und Ausbildung.
  5. Das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung.
  6. Das Recht auf eine eigene Meinung und darauf sich zu informieren, mitzuteilen, gehört zu werden und zu versammeln.
  7. Das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung sowie auf Privatsphäre.
  8. Das Recht auf sofortige Hilfe in Katastrophen und Notlagen wie Armut, Hunger und Krieg und auf Schutz vor Vernachlässigung, Ausnutzung und Verfolgung.
  9. Das Recht auf eine Familie, elterliche Fürsorge und ein sicheres Zuhause.
  10. Das Recht auf Betreuung bei Behinderung.

Unser Anliegen als element-i Bildungsstiftung

Wir setzen uns für mehr Bildungsgerechtigkeit ein und möchten bei der Demo das Recht der Kinder auf Bildung und Beteiligung, auf Freizeit, Spiel und Erholung sowie auf Privatsphäre besonders hervorheben. Mädchen und Jungen verbringen heute immer mehr Zeit in Krippen, Kitas und Schulen. Die Erwachsenen, die diese Einrichtungen leiten, und die, die dort arbeiten, sind dafür verantwortlich, dass Kinder auch in den Institutionen ihre Rechte wahrnehmen können. Tun die Verantwortlichen dies immer?

  • Nehmen die Pädagoginnen und Pädagogen Kinder als eigenständige Persönlichkeiten wahr und ihre Äußerungen ernst?
  • Stellen sie sicher, dass alle Kinder in ihrer Einrichtung gleichermaßen einen guten, für sie passenden Zugang zu Bildung erhalten?
  • Haben sie Strukturen und Abläufe etabliert, die es den Kindern erlauben, sich altersgemäß an Diskussionen zu beteiligen und sie betreffende Entscheidungen mitzubestimmen?
  • Achten sie darauf, dass Kinder ausreichend Zeit und Raum für freie Entfaltung und fantasievolles Spiel erhalten?
  • Schaffen sie Rückzugsorte, die Kindern Privatheit, Alleinsein und Erholung ermöglichen?

In der Praxis stellen wir fest: Erwachsene spannen Kinder noch viel zu häufig vor ihren „Karren“ in der Meinung, dass sie schon wüssten, was das Richtige für das Kind sei. Oft zwingen sie sie in ein Korsett von Anforderungen und Aufgaben, das ihnen kaum Luft für eigenständige Entwicklung, für neue Gedanken, für Spiel und Freizeit und den Genuss des Augenblicks lässt.

Jedes Kind ist ein Geschenk an die Welt. Es bringt seine eigene Persönlichkeit, seine eigene Würde und seine eigenen Begabungen mit.

Unsere Aufgabe als Erwachsenen: den Rahmen schaffen, in dem Kinder ihre Potenziale entfalten und in die Gemeinschaft einbringen können!

Wenn wir die von der UN-Kinderrechtskonvention formulierten Standards in der Praxis umzusetzen, gelingt uns das. Lassen Sie uns gemeinsam dafür einstehen!

Weitere Informationen zum Thema Kinderrechte

Sie möchten sich – eventuell gemeinsam mit einer Kindergruppe – ausführlicher mit den Kinderrechten befassen?

Auf der Website des Verbands freier unabhängiger Kindertagesstätten Stuttgart (VFUKS) finden Sie eine Linkliste zum Thema.

Ihre Ansprechpartnerin

Denise Meyer

Koordinatorin
0711 656960-36